Die Verleumdung des Apelles

Langfristige Leihgabe seit 2016

Die Verleumdung des Apelles von Maerten de Vos erlebt im Rubenshaus seine internationale Premiere. Bei dem Tafelbild von De Vos handelt es sich derzeit um die einzige bekannte gemalte Version des Themas aus den Niederlanden. Nach einem jahrelangen Verbleib in einer Privatsammlung darf das Rubenshaus dieses außerordentliche Werk nun erstmalig dem großen Publikum präsentieren.

Gerüchte … Auge um Auge

Apelles – der berühmte Maler aus der Antike – wurde durch einen konkurrierenden Meister verleumderisch der Verschwörung gegen den mazedonischen General Ptolemaeus beschuldigt. Dieser stand kurz davor, Apelles hinrichten zu lassen, als die Wahrheit über seine Unschuld ans Licht kam und der Maler doch noch freigesprochen wurde.

Die Darstellungen zeigen zumeist einige Personen, die die verschiedenen Aspekte von Verleumdung und Gerüchten verkörpern. Der König, der meist mit langen eselartigen Ohren dargestellt wird, wird durch „Argwohn“, „Unwissenheit“, „Betrug“, „Missgunst“, „Verrat“ oder „Reue“ umringt.

Die Person 'Betrug' und der König mit langen eselartigen Ohren

Die Person 'Unschuld' und 'Missgunst'

 

Intellektuelle Herausforderung

Die Verleumdung des Apelles ist ein Thema, mit dem sich De Vos als ein gelehrter Renaissancekünstler profilieren konnte. Das Thema wurde im frühen fünfzehnten Jahrhundert wiederentdeckt. Damals tauchte ein Text des griechischen Philosophen Lucianus (125-180) auf, in dem das verloren gegangene Gemälde Die Verleumdung des Apelles, beschrieben wird. Das Thema war nach dieser Entdeckung äußerst beliebt. Bekannte italienische Meister wie Andrea Mantegna und Sandro Botticelli stellten das schwierige Thema meisterhaft dar. In den Niederlanden wurde Apelles als die Verkörperung des perfekten Malers angesehen. So wurde Rubens wiederholt als „Apelles seiner Zeit“ gepriesen.

 

Maerten de Vos und seine Verleumdung des Apelles

Der talentierte De Vos (1532-1603) ist dem breiten Publikum weniger bekannt, kann jedoch aufgrund seiner meisterhaften Historienbilder als Vorläufer Rubens angesehen werden. Er machte eine blühende internationale Karriere und erhielt zahlreiche große Aufträge.

 

Komplexe Vorderseite

Für seine Verleumdung des Apelles basiert sich Maerten de Vos auf einem berühmten Druck von Giorgio Ghisi (1520-1582), der in Antwerpen zirkulierte. De Vos kopierte den Druck jedoch nicht einfach. 

Einige Figuren auf dem Gemälde von De Vos ähneln stark einigen Entwurfszeichnungen, die der Künstler kurz vor 1594 anfertigte und die heute in dem Museum Plantin-Moretus bewahrt werden. Möglicherweise verwendete er diese Zeichnungen als Modell für das Gemälde, welches er in seinen letzten zehn Lebensjahren vollendete.

Die Entwurfszeichnung der Person 'Reue'

 

Faszinierende Rückseite

De Vos hat Die Verleumdung des Apelles auf einer zwischen 0,5 und 1,3 cm dicken Holztafel gemalt. 

Auf der Rückseite ist ein einfaches Markenzeichen sichtbar, das möglicherweise mit Hans van Haecht, einem Antwerpener Hersteller von Holztafeln in Verbindung gebracht werden kann. Durch die Inschrift machte sich der Handwerker bekannt. Das Werk ist aus vier horizontalen Tafeln aufgebaut, von denen die untersten drei exakt dieselben Abmessungen aufweisen und auf dieselbe Weise befestigt sind. Der Unterschied zu der obersten, vierten, Tafel ist auffällig. Die Vorderseite zeigt, dass sie zudem von einer anderen Hand stammen muss. Auf dieser Platte wurde die Verleumdung des Apelles möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt vergrößert.

 

Viele unbeantwortete Fragen

Für wen malte De Vos diese Komposition? War das Werk für ein öffentliches Gebäude, wie etwa ein Gericht, bestimmt oder malte er es im Auftrag eines Sammlers? Auch die Bedeutung und die versteckte Botschaft sind nicht völlig deutlich. Hat das Gemälde eine versteckte politische oder religiöse Botschaft? Viele Fragen bleiben heute vorläufig unbeantwortet. Doch das prächtige Gemälde ist in jedem Fall eine wahre Augenweide.

 

Weiter zum Königlichen Museum der schönen Künste in Antwerpen

Das Rubenshaus darf dieses Wer k erstmalig dem großen Publikum vorstellen. Ab dem Jahr 2019 wird es als Dauerleihgabe in dem renovierten königlichen Museum der schönen Künste in Antwerpen ausgestellt.  

 

Technische Daten

  • Maerten de Vos (1532-1603)
  • Die Verleumdung des Apelles
  • Öl auf Leinwand
  • Langfristige Leihgabe, Privatsammlung, Groothertogdom Luxemburg

 

Auf der Grundlage der Masterarbeit von Maja Neerman, Die Verleumdung des Apelles. Ein wiederentdecktes Gemälde von Maarten de Vos, Freie Universität Brüssel, Studienjahr  2014-2015.