Restaurierter Jordaens gibt Geheimnisse preis

Nach einer einjährigen Restaurierung können Sie das monumentale Werk „Neptun und Amphitrite” von Jacob Jordaens wieder in seiner vollen, farbenfrohen Pracht im Rubenshaus bewundern. Die Restaurierung hat auch einige erstaunliche Details zutage gebracht.

Sie finden das restaurierte Werk von Jacob Jordaens (1593-1678) wieder an der vertrauten Stelle im großen Atelier des italienischen Flügels. Auf dem Gemälde sieht man Neptun, den Gott des Meeres. Links neben ihm steht seine Frau Amphitrite. Im Vordergrund liegen einige Tritonen, mythologische Figuren, die halb Mensch und halb Fisch sind. Das Gemälde wurde am Rand des Muschelwagens signiert und datiert mit: J. Jordaens fecit 16[4?]4 (die vorletzte Zahl ist nur schwer lesbar).

Das monumentale Werk musste dringend restauriert werden. Das Gemälde war einige Male übermalt worden, um Mängel zu verbergen. Außerdem war die Firnisschicht vergilbt. Durch die Verfärbung gingen Details in den dunkleren Teilen verloren und die Originalfarben erschienen weniger frisch.

 

Das Restaurierungsverfahren

Marc Leenaerts, der zuständige Gemälderestaurator der Abteilung Sammlungsverwaltung der Museen der Stadt Antwerpen, hat ein Jahr an der Restaurierung gearbeitet. Zuerst hat er die Oberflächenverschmutzung und dann die vergilbte Firnisschicht entfernt.

Isolierungsfirnisschicht

Danach folgte das Auftragen einer Isolierungsfirnisschicht. Diese Schicht sättigt die Farben und fungiert als Barriere zwischen dem Originalwerk von Jordaens und den Eingriffen des Restaurators. Auf diese Weise können Ergänzungen bei der nächsten Restaurierung leicht entfernt werden, ohne das Original zu beschädigen.

Lücken auffüllen

Nach der Entfernung der Firnisschicht und der Übermalungen wurden die Lücken in den Farbschichten sichtbar. Der Restaurator hat sie dann mit einer Mischung aus Kreide und Leim aufgefüllt. Die Füllungen waren notwendig, um die Lücken wieder auf die gleiche Ebene wie die Farbschicht zu bringen. Danach wurden sie überarbeitet.

Abschließende Firnisschicht

Zum Schluss wurde das Gemälde mit einer abschließende Firnisschicht überzogen, die die angebrachten Retuschierungen verankert und dem Gemälde einen besonders schönen Glanz verleiht. Durch die Restaurierung hat das Gemälde wieder viel mehr Farbe. Das können Sie besonders gut an dem blauen Tuch Neptuns und dem roten Tuch der Amphitrite erkennen.

 

Entdeckungen bei der Restaurierung

Die Restaurierung des Gemäldes „Neptun und Amphitrite” von Jacob Jordaens hat nicht nur das Originalbild wieder zutage gebracht, sondern auch einige Geheimnisse offenbart.

  • Jordaens hat das Bild nicht auf Leinwand gemalt, sondern auf zwei aneinander befestigte Tafeln. Diese Tatsache weist daraufhin, dass Maler das Material verwendeten, das gerade im Atelier vorhanden war.
     
  • Jordaens beschloss während des Malens, das Bild zu verbreitern und musste demzufolge auch die Komposition ändern. Achten Sie einmal auf den Tritonen, der in das Kinkhorn bläst. Er tauchte erst auf, nachdem die Firnisschicht entfernt worden war. Jordaens hatte den Tritonen ursprünglich aufrecht stehend auf der Höhe des rechten Pferdes gemalt. Nach der Verbreiterung des Bildes wollte Jordaens ihn dann tiefer darstellen. So bildet er mit den beiden Pferden und Neptuns Dreizack eine Diagonale. Er vernünftiger Eingriff, der die Komposition stärkt.
     
  • Das rote Tuch der Amphitrite war ursprünglich größer und verlief auch weiter nach unten.
     
  • Jordaens malte dieses Werk mit wenig Farbe und schnellen Pinselstrichen. Das ist z. B. am Kopf Neptuns gut zu erkennen.