Rubens’ Kindermord nach 400 Jahren wieder zu Hause

Zu sehen vom 26. September 2018 bis 3. März 2019

Der Kindermord von Bethlehem, ein frühes Meisterwerk von Rubens und das teuerste Rubensgemälde aller Zeiten, kann ab 26. September 2018 ausnahmsweise im Rubenshaus besichtigt werden. The Art Gallery of Ontario (AGO) stellt dem Rubenshaus anlässlich des Barockjahrs dieses Spitzenstück als Leihgabe zur Verfügung. Die Ausstellung des Gemäldes wird einer der Höhepunkte des Stadtfestivals „Antwerpen Barock 2018. Rubens inspiriert”.

Ende September präsentieren The Art Gallery of Ontario und das Rubenshaus den Besuchern das Ergebnis einer einzigartigen Zusammenarbeit. Das monumentale Gemälde „Der Kindermord von Bethlehem”, das Rubens gleich nach seiner Rückkehr aus Italien schuf, kommt anlässlich des Stadtfestivals „Antwerpen Barock 2018. Rubens inspiriert” für kurze Zeit wieder nach Hause.

Die beeindruckende Komposition gehört zu den Meisterwerken von The Art Gallery of Ontario. Auf dem Gemälde findet man jede Menge Dramatik und Gewalt. Der junge Rubens stellte sich mit diesem Werk, das zahlreiche Hinweise auf die Antike enthält, als vollendeter „pictor doctus”, d. h. als gebildeter Künstler vor, der in der Lage ist, seine intellektuellen Fähigkeiten und sein Wissen in seine Kunst einfließen zu lassen. 

Peter Paul Rubens, Der Kindermord von Bethlehem, The Thomson Collection at the Art Gallery of Ontario © Art Gallery of Ontario

Das Bild zeigt eine biblische Szene. Als König Herodes vernahm, in Bethlehem sei ein neuer König geboren worden, befürchtete er das Ende seiner Macht und ließ daraufhin alle Jungen unter zwei Jahren ermorden.

 

Teuerster Rubens aller Zeiten

Die Geschichte dieses Werks ist wirklich spektakulär. Das Gemälde wurde schnell in prestigeträchtige Privatsammlungen aufgenommen, aber seit dem 18. Jahrhundert fälschlicherweise verschiedenen Künstlern zugeschrieben.  

2001 erkannten Spezialisten an der barocken Formensprache deutlich die Hand des Antwerpener Meisters. Die Entdeckung des Rubensgemäldes, von dem man lange angenommen hatte, es sein verloren gegangen, machte Schlagzeilen und das Werk wurde verkauft. Auf der Auktion bei Sotheby’s im Jahr 2002 erzielte der Kindermord einen Rekordbetrag in Höhe von 49,5 Millionen Pfund und wurde dadurch zum teuersten alten Meister aller Zeiten. Der kanadische Geschäftsmann und Sammler Ken Thomson ersteigerte das Werk und schenkte es danach The Art Gallery of Ontario in Toronto. Es gehört zu den Spitzenstücken des Museums und hat es seit seiner Ankunft im Jahr 2008 nicht mehr verlassen.

Der „Kindermord” ist auch heute noch das teuerste Rubensgemälde aller Zeiten.

 

Einzigartige Zusammenarbeit

Das Rubenshaus hatte bereits seit geraumer Zeit mit The Art Gallery of Ontario verhandelt, um das Werk vorübergehend in Antwerpen zeigen zu können. Beide Museen betrachten die hiesige Ausstellung deshalb als eine große Ehre.

Ben van Beneden, dem Direktor des Rubenshauses zufolge, präsentiert sich der junge Rubens hier als brillanter Erzähler und Künstler, der völlig von seiner Italienreise durchdrungen ist:

„Die Kombination aus der gewagten Komposition, der treffsicheren Pinselführung, der Subtilität des Lichts und dem unübertroffenen Reichtum macht aus dem Kindermord eines der eindrucksvollsten Gemälde des 17. Jahrhunderts. Wir sind zusammen mit den Kollegen von The Art Gallery of Ontario zu dem Schluss gekommen, dass dieses Gemälde unbedingt an dem Ort gezeigt werden sollte, an dem Rubens gelebt und gearbeitet hat.”

 

Auch in Toronto ist freut man sich sehr über die Zusammenarbeit. Dr. Sasha Suda, die Konservatorin für europäische Kunst der AGO, sagt dazu Folgendes: 

 

À Toronto aussi, la collaboration suscite beaucoup d’enthousiasme. Le Dr Sasha Suda, la conservatrice de l’art européen de l’AGO, commente :

„Die Aussicht, den Kindermord von Bethlehem in Peter Paul Rubens’ Atelier auszustellen, wo das Bild gemalt wurde, ist einfach fantastisch. Es wird die Antwerpener Besucher und Rubensforscher in eine andere Zeit zurückversetzen und sie zu inspirierenden Gesprächen über das Leben und die Ambitionen des Künstlers anregen. Diese Leihgabe an das Rubenshaus, wo sich Experten der flämischen Malerei hinter dem Rubensgarten im angrenzenden Forschungszentrum Rubenianum treffen, ist ein wichtiger Schritt in Bezug auf ein besseres Verständnis dieses einzigartigen Werks und bietet die Möglichkeit, es im Oeuvre des Künstlers einzuordnen.“

 

Besucherinformationen

  • Vom 26. September 2018 bis 3. März 2019.
  • Wo: Rubenshaus, großes Atelier